Hachikō: Die wahre Geschichte des treuesten Hundes Japans

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Die Bronzestatue von Hachikō mit Mund-Nasen-Schutz im April 2020 auf ihrem Sockel am fast menschenleeren Hachikō-Platz vor dem Bahnhof Shibuya in Tokio

Die Geschichte von Hachikō ist wahr: Der Akita-Rüde ging nach dem plötzlichen Tod seines Herrchens, des Tokioter Professors Hidesaburō Ueno, im Mai 1925 fast zehn Jahre lang zum Bahnhof Shibuya, um auf ihn zu warten – bis er im März 1935 selbst starb. Filme und Nacherzählungen haben die Geschichte allerdings an manchen Stellen ausgeschmückt.

Wer war Hachikō?

Hachikō, ursprünglich einfach „Hachi“, war ein Akita, geboren im November 1923 in Ōdate in der nordjapanischen Präfektur Akita. Im Januar 1924 kam der etwa 50 Tage alte Welpe nach Tokio zu Hidesaburō Ueno.

Ueno lehrte an der landwirtschaftlichen Fakultät der Kaiserlichen Universität Tokio, der heutigen Universität Tokio, und gilt als Mitbegründer der landwirtschaftlichen Ingenieurwissenschaften in Japan. Er wohnte mit Hachi in der Nähe des Bahnhofs Shibuya. Der junge Hund begleitete ihn morgens zum Bahnhof und holte ihn abends dort wieder ab.

Die Endung „-kō“ ist im Japanischen eine liebevoll-vertrauliche Anrede. Aus Hachi wurde so Hachikō.

Was geschah mit Professor Ueno?

Am 21. Mai 1925 starb Ueno im Alter von 53 Jahren unerwartet an einer Hirnblutung. Hachi hatte gerade einmal rund 16 Monate bei ihm gelebt.

Am Abend ging der Hund wie gewohnt zum Bahnhof – und an den folgenden Abenden auch. Sein Herrchen kam nicht mehr.

Hat Hachikō wirklich zehn Jahre lang gewartet?

Ja, die regelmäßigen Besuche am Bahnhof sind gut belegt. Nach Uenos Tod kam Hachi in mehreren Haushalten unter, unter anderem bei Verwandten im rund acht Kilometer entfernten Stadtteil Asakusa. Schließlich nahm ihn die Familie von Uenos früherem Gärtner in der Nähe von Shibuya auf. Doch wo er auch lebte, er kehrte immer wieder zum Bahnhof zurück.

Berichten zufolge wartete er morgens und abends vor der Bahnsteigsperre, bei Regen wie bei Schnee, fast ein Jahrzehnt lang. Landesweit bekannt wurde er 1932: Hirokichi Saitō, Gründer einer Gesellschaft zur Erhaltung japanischer Hunderassen, schrieb in einem Vorläufer der heutigen Zeitung Asahi Shimbun über die Treue des Hundes. Die Geschichte verbreitete sich in ganz Japan und darüber hinaus.

Manche Menschen am Bahnhof fütterten ihn. Ob ihn Treue, Gewohnheit oder das vertraute Revier antrieb, kann niemand mit Sicherheit sagen. Belegt ist, dass er Jahr für Jahr wiederkam.

Seit wann steht die Hachikō-Statue in Shibuya?

Die heutige Bronzefigur steht seit August 1948 vor dem Bahnhof. Schon die erste Statue wurde zu Hachikōs Lebzeiten enthüllt – am 21. April 1934, und der Hund war bei der Feier selbst dabei.

Freiwillige hatten das Geld für dieses erste Denkmal gesammelt. Im Zweiten Weltkrieg wurde es abgebaut und für die Rüstung eingeschmolzen. An der Nachfolgerin steht auf einer kleinen Tafel auf Japanisch „Treuer Hund Hachikō“, und sie ist bis heute einer der bekanntesten Treffpunkte Tokios. „Wir treffen uns bei Hachikō“ ist dort eine ganz alltägliche Verabredung.

Woran ist Hachikō gestorben?

Hachikō starb am 8. März 1935 in Shibuya, im Alter von elf Jahren. Jahrzehntelang hielt sich das Gerücht, Yakitori-Spieße, die ihm Passanten gegeben hatten, hätten ihn getötet.

Erst 2011 klärten Tiermediziner der Universität Tokio die Frage anhand seiner konservierten Organe: Hachikō litt an Krebs im Endstadium und an einem Befall mit Herzwürmern (Filarien). Vier Spieße fanden sich tatsächlich in seinem Magen, sie hatten ihn aber weder verletzt noch seinen Tod verursacht. Einer der beteiligten Forscher nannte das Gerücht „unbegründet“.

Wo kann man Hachikō heute besuchen?

Wer in Japan auf Hachikōs Spuren unterwegs ist, findet mehrere Orte:

  • Bahnhof Shibuya, Tokio: die Bronzestatue von 1948 auf dem nach ihm benannten Platz
  • Nationalmuseum für Natur und Wissenschaft im Ueno-Park, Tokio: Hier ist Hachikōs präpariertes Fell ausgestellt.
  • Aoyama-Friedhof, Tokio: Hachikō wurde neben dem Grab von Professor Ueno beigesetzt, sein Gedenkstein steht noch heute dort.
  • Universität Tokio, Yayoi-Campus: Seit dem 8. März 2015, dem 80. Todestag, zeigt eine Statue des Bildhauers Tsutomu Ueda das freudige Wiedersehen des jungen Hachikō mit seinem Herrchen. Die Universität bewahrt dort auch seine inneren Organe auf.
  • Ōdate, Präfektur Akita: Hachikōs Heimatstadt eröffnete 2019 ein Besucherzentrum für Akita-Hunde am Bahnhof und feierte im November 2023 seinen 100. Geburtstag mit einem Fest.

Wie nah sind die Filme an der Wahrheit?

Der japanische Film Hachikō Monogatari von 1987 und das US-Drama Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft von 2009 mit Richard Gere, inszeniert vom Schweden Lasse Hallström, haben die Geschichte weltweit bekannt gemacht. Die amerikanische Fassung verlegt die Handlung in die USA und ist eher eine freie Neuerzählung.

Beim Lesen und Anschauen lohnt ein kritischer Blick:

  • Der Tod durch Spieße ist ein Mythos, widerlegt durch die Untersuchung von 2011.
  • Das Warten ist als regelmäßige Besuche morgens und abends über viele Jahre dokumentiert. Dass er ausnahmslos jeden einzelnen Tag kam, konnte niemand lückenlos festhalten.
  • Der Geburtstag wird meist mit dem 10. November 1923 angegeben; an diesem Tag wurde 2023 auch sein 100. Geburtstag begangen.

Warum berührt Hachikōs Geschichte bis heute?

Weil fast jeder, der einen Hund geliebt hat, sich darin wiedererkennt. Das Abholen an der Tür, das Warten, eine Gewohnheit, die den Menschen überdauert: Dieses Bild von Bindung braucht keine Übersetzung. Sogar Helen Keller besuchte 1937 die Statue und bekam im selben Jahr einen Akita geschenkt.

Für viele trauernde Tierhalter ist Hachikō auch ein Spiegel. Der Griff zur Leine, die niemand mehr braucht, der Blick zum Fenster, an dem kein vertrautes Gesicht mehr wartet – das ist die menschliche Seite derselben Bindung. Wenn es Ihnen gerade so geht, finden Sie in unserem Beitrag Den Tod des Haustiers verarbeiten behutsame Anregungen.

Hachikō ist nicht der einzige Hund, dessen Treue zur Legende wurde. Die Schlittenhunde Balto und Togo brachten 1925 – im selben Jahr, in dem Professor Ueno starb – ein lebensrettendes Diphtherie-Serum nach Nome in Alaska. Auf ihre Weise erinnern uns all diese Hunde daran, warum es sich lohnt, die Geschichten unserer eigenen Tiere zu bewahren.

Häufige Fragen

Ist die Geschichte von Hachikō wahr?
Ja. Professor Hidesaburō Ueno starb im Mai 1925, und sein Akita kehrte bis zu seinem eigenen Tod im März 1935 immer wieder zum Bahnhof Shibuya zurück. Filme haben Details hinzugefügt, der Kern ist aber gut belegt.
Welche Rasse war Hachikō?
Hachikō war ein Akita, eine große japanische Hunderasse aus der Präfektur Akita im Norden des Landes. Geboren wurde er im November 1923 bei der Stadt Ōdate.
Wo ist Hachikō begraben?
Hachikō wurde neben dem Grab von Professor Ueno auf dem Aoyama-Friedhof in Tokio beigesetzt. Sein präpariertes Fell ist im Nationalmuseum für Natur und Wissenschaft im Ueno-Park zu sehen.
Wie realistisch ist der Film mit Richard Gere?
Nur in groben Zügen. „Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“ von 2009 spielt in den USA und verändert viele Einzelheiten; der japanische Film von 1987 bleibt näher am Original.

Quellen

  1. Volksstimme/dpa (2023): Japans berühmter Hund – vor 100 Jahren kam Hachiko zur Welt
  2. Nippon.com: Hachikō, the faithful dog
  3. Visit Akita / HACHI100: The story of Hachi (timeline)
  4. The University of Tokyo: Hachikō and Professor Ueno statue (UTokyo FOCUS)
  5. CBS News (2011): Legendary loyal dog's death mystery solved
  6. Japan National Tourism Organization: National Museum of Nature and Science
  7. filmstarts.de: Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft (2009)
  8. National Park Service: Togo (1925 serum run)
Der präparierte Schlittenhund Balto in einer Glasvitrine im Cleveland Museum of Natural History, mit dem Schild „Balto, Siberian Husky, 1919–1933“

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