Balto und Togo: Die Schlittenhunde des Serumlaufs
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Im Winter 1925 brachten rund 20 Hundeschlittenführer mit mehr als 150 Hunden ein Diphtherie-Heilserum in etwa fünfeinhalb Tagen über rund 1.085 Kilometer in die Stadt Nome in Alaska. Balto führte das letzte Gespann an und wurde weltberühmt – die längste und gefährlichste Strecke aber lief Togo mit seinem Musher Leonhard Seppala.
Was geschah 1925 in Nome?
In Nome, einer abgelegenen Goldgräberstadt an der Beringsee, brach im Winter 1924/25 die Diphtherie aus, und der Vorrat an Heilserum war abgelaufen. Schiffe kamen wegen des Meereises nicht durch, und für die Flugzeuge jener Zeit war es zu kalt. Also blieben nur die Schlittenhunde.
Diphtherie ist eine gefährliche bakterielle Infektion, und in Nome starben bereits Kinder. Der einzige Arzt der Stadt, Curtis Welch, ließ die Erkrankten isolieren und funkte um Hilfe. Offiziell wurden fünf Todesfälle und 29 Erkrankungen gezählt. Die Nachrichtenagentur AP wies zum 100. Jahrestag darauf hin, dass die tatsächliche Zahl vermutlich höher lag, weil Erkrankungen unter den indigenen Einwohnern nicht zuverlässig erfasst wurden.
Übrigens hat die Geschichte eine deutsche Note: Das Heilserum gegen Diphtherie geht wesentlich auf Emil von Behring zurück, der dafür 1901 den ersten Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt. Die Presse nannte ihn den „Retter der Kinder“.
Wie lief der Serumlauf nach Nome ab?
Das Serum – 300.000 Einheiten aus Anchorage – kam am 27. Januar per Bahn in Nenana an. Von dort reichten 20 Hundegespanne das Paket im Staffellauf weiter, bis es Nome erreichte.
Die Bedingungen waren extrem:
- Temperaturen von zeitweise rund minus 51 °C
- tiefer Schnee und Whiteouts, bei denen man kaum die Hand vor Augen sah
- eine Gesamtstrecke, für die die Gespanne laut dem Cleveland Museum of Natural History nur 127 Stunden brauchten – ein Rekord
Viele der Musher waren Alaska Natives, also Angehörige indigener Völker Alaskas. Ihre Namen sind heute weit weniger bekannt als der von Balto.
Welche Rolle spielte Togo?
Togo war der eigentliche Langstreckenheld des Laufs. Er führte Seppalas Gespann über mehr als 420 Kilometer, weit mehr als jedes andere Team, und die etwa 146 Kilometer lange Etappe mit dem Serum war der längste Abschnitt der ganzen Staffel.
Bemerkenswert: Togo war damals schon elf oder zwölf Jahre alt – die Angaben gehen auseinander. Seppala fuhr von Nome aus dem Serum entgegen und überquerte auf dem Rückweg den zugefrorenen Norton Sound. Nach Darstellung des American Kennel Club trieb das Gespann dabei auf einer Eisscholle ab, und Togo zog es zurück in Sicherheit. Die übrigen Teams legten im Schnitt nur etwa 50 Kilometer zurück.
Warum wurde ausgerechnet Balto berühmt?
Balto lief an der Spitze des letzten Gespanns, das Gunnar Kaasen führte, und brachte das Serum auf den letzten rund 85 Kilometern nach Nome. Am frühen Morgen des 2. Februar 1925 kamen sie an – und Balto wurde zum Gesicht der ganzen Rettungsaktion.
Dabei galt Balto laut AP als zu langsam für Rennen und wurde eher als Lastenzugtier eingesetzt. Die Geschichte vom Hund, der durch den Schneesturm lief, um die Kinder von Nome zu retten, verbreitete sich dennoch rasant. Leonhard Seppala ärgerte sich darüber, dass Kaasen und Balto den Ruhm für einen Lauf erhielten, bei dem sein Team die härteste Arbeit geleistet hatte.
Steht Baltos Statue wirklich im Central Park?
Ja. Die Bronzestatue des Bildhauers Frederick Roth steht im New Yorker Central Park in Höhe der East 67th Street. Sie wurde am 17. Dezember 1925 enthüllt, und Balto war bei der Zeremonie selbst dabei.
Die Inschrift ehrt ausdrücklich alle Schlittenhunde der Staffel und endet mit drei Worten: „Endurance · Fidelity · Intelligence“ – Ausdauer, Treue, Intelligenz.
Wie ging es für Balto und Togo weiter?
Die beiden Hunde erlebten sehr unterschiedliche Lebensabende. Balto landete als Schauobjekt in einem Kuriositätenkabinett in Los Angeles, Togo verbrachte seinen Ruhestand in Maine.
Der Geschäftsmann George Kimble aus Cleveland entdeckte Balto und sechs seiner Gespannkameraden dort und handelte einen Kaufpreis von 1.500 Dollar aus. Die Stadt sammelte das Geld in etwa zehn Tagen, vieles davon in Pennys. Am 19. März 1927 wurden die Hunde in Cleveland mit einer Parade empfangen und lebten danach im Brookside Zoo. Balto starb 1933 eines natürlichen Todes.
Togo lebte in der Zucht für Siberian Huskys, die Seppala mit Elizabeth Ricker in Poland Spring im Bundesstaat Maine gegründet hatte. Im Dezember 1929 wurde er mit 16 Jahren eingeschläfert.
Wo kann man Balto und Togo heute sehen?
Beide Hunde wurden nach ihrem Tod präpariert und sind bis heute ausgestellt. Balto steht im Cleveland Museum of Natural History, Togo im Hauptquartier des Iditarod-Schlittenhunderennens in Wasilla, Alaska.
Togos Skelett befindet sich getrennt davon im Peabody Museum of Natural History der Yale University. Einem breiten Publikum wurde Togo 2019 durch den Disney-Film „Togo“ bekannt. Balto hatte schon 1995 seinen eigenen Zeichentrickfilm bekommen: „Balto – Ein Hund mit dem Herzen eines Helden“, der die Ereignisse frei nacherzählt.
Erinnert das Iditarod-Rennen an den Serumlauf?
Nur bedingt, auch wenn das oft behauptet wird. Das Rennen folgt dem historischen Iditarod Trail, einer alten Versorgungsroute nach Nome, und nur das letzte Stück deckt sich mit der Route des Serumlaufs. Zum 100. Jahrestag 2025 erinnerten aber auch die Iditarod-Veranstalter an den Serumlauf.
Warum berührt uns die Geschichte bis heute?
Weil sie von Vertrauen zwischen Mensch und Hund erzählt – und von Tieren, die Außergewöhnliches leisten, ohne zu wissen, wofür. Wie Hachikō am Bahnhof Shibuya sind Balto und Togo zu Symbolen der Treue geworden, die ihre Zeit um ein Jahrhundert überdauert haben.
Schlittenhunde sind Ausdauersportler. Doch auch jeder Familienhund braucht regelmäßige Bewegung – und tut damit seinen Menschen gut, wie unser Beitrag Gassi gehen hält fit zeigt.
Baltos Statue entstand, weil Menschen einen Hund nicht vergessen wollten. Dieser Wunsch ist geblieben, auch wenn wir heute meist leiser an unsere eigenen Tiere erinnern: mit Fotos, mit Geschichten in der Familie oder mit einer Gedenkseite im Internet.
Häufige Fragen
- Gab es Balto wirklich?
- Ja. Balto war ein echter Schlittenhund, der 1925 das letzte Gespann des Serumlaufs nach Nome anführte. Noch im selben Jahr erhielt er eine Bronzestatue im New Yorker Central Park.
- War Balto oder Togo der eigentliche Held?
- Beide – zusammen mit rund 150 weiteren Hunden. Togos Gespann legte die weiteste und gefährlichste Strecke zurück, Baltos Team brachte das Serum ins Ziel und erhielt den meisten Ruhm.
- Wo sind Balto und Togo heute?
- Beide Hunde wurden nach ihrem Tod präpariert. Balto ist im Cleveland Museum of Natural History zu sehen, Togo im Iditarod-Hauptquartier in Wasilla, Alaska – sein Skelett liegt im Peabody Museum der Yale University.
- Wie heißt der Balto-Film auf Deutsch?
- Der Zeichentrickfilm von 1995 heißt auf Deutsch „Balto – Ein Hund mit dem Herzen eines Helden“. Togos Geschichte erzählt der Disney-Film „Togo“ von 2019.
Quellen
- Wikipedia: Diphtherieepidemie in Nome
- Wikipedia: Balto
- Wikipedia: Emil von Behring
- Cleveland Museum of Natural History: 100 Years After the Great Serum Run, Balto's Legacy Endures (2025)
- National Park Service: Togo
- American Kennel Club: Togo, the Siberian Husky Sled Dog Hero of 1925
- Associated Press via KTLA: Mushers and dogs braved a horrific Alaska winter to deliver lifesaving serum 100 years ago (2025)
- Central Park Conservancy: Balto
- Wikipedia: Balto – Ein Hund mit dem Herzen eines Helden
- Wikipedia: Statue of Balto