Hilft ein Haustier gegen Einsamkeit?

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Zwei Beagle schauen hinter weißen Gardinen aus einem Fenster im Erdgeschoss

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche oder medizinische Beratung.

Ein Haustier kann gegen Einsamkeit helfen – vor allem, weil es dem Tag Struktur gibt und ganz nebenbei Kontakte zu anderen Menschen schafft. Ein Allheilmittel ist es aber nicht: Die Forschungslage ist gemischt, und ein Tier ersetzt keine menschliche Nähe.

Wie verbreitet ist Einsamkeit in Deutschland?

Einsamkeit betrifft Millionen Menschen. Laut dem Einsamkeitsbarometer 2024 des Bundesfamilienministeriums waren im Jahr 2021 rund 11,3 Prozent der Bevölkerung in Deutschland erhöht einsamkeitsbelastet.

Das Barometer stützt sich auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Einige Ergebnisse überraschen:

  • Im ersten Pandemiejahr 2020 lag der Anteil sogar bei 28,2 Prozent.
  • Am stärksten betroffen waren 2021 nicht die Ältesten, sondern junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren (14,1 Prozent).
  • Frauen (12,8 Prozent) waren häufiger belastet als Männer (9,8 Prozent).

Weltweit schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass etwa jeder sechste Mensch von Einsamkeit betroffen ist. Sie unterscheidet dabei zwei Dinge: Einsamkeit ist das schmerzliche Gefühl, weniger verbunden zu sein, als man es sich wünscht. Soziale Isolation dagegen beschreibt den objektiven Mangel an Kontakten. Ein Haustier kann auf beides wirken – muss es aber nicht.

Was sagt die Forschung zu Haustieren und Einsamkeit?

Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an. Eine systematische Übersichtsarbeit von Forschenden des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf wertete 2022 insgesamt 24 Studien aus und fand ein uneinheitliches Bild.

Die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit von Kretzler, König und Hajek:

  • Bei Erwachsenen ging Tierhaltung meist mit weniger sozialer Isolation einher.
  • Für das Gefühl der Einsamkeit fanden die Studien vor der Corona-Pandemie insgesamt keinen signifikanten Zusammenhang.
  • Studien aus der Pandemiezeit zeigten dagegen überwiegend, dass Tierhalter sich weniger einsam fühlten.
  • Hunde, Katzen und andere Tiere unterschieden sich in den meisten Studien nicht.
  • Nur ein Teil der Studien fand überhaupt einen signifikanten Effekt. In einer US-Studie mit Schülern stieg die Einsamkeit während der Pandemie bei Tierhaltern sogar stärker an.

Wichtig ist auch: Fast alle diese Studien sind Beobachtungsstudien. Sie zeigen, dass sich Menschen mit und ohne Tier unterscheiden – aber nicht, dass das Tier der Grund dafür ist. Wer ohnehin gut eingebunden ist, schafft sich vielleicht eher einen Hund an. Und wer sehr einsam ist, klammert sich womöglich besonders an das Tier, das er hat.

Hilft ein Hund älteren Menschen gegen Einsamkeit?

Möglicherweise, zumindest manchen. Eine Auswertung des Deutschen Alterssurveys ergab, dass alleinstehende Menschen über 65 mit Hund weniger sozial isoliert waren als Gleichaltrige ohne Tier.

Die Studie von André Hajek und Hans-Helmut König (2020) untersuchte 1.160 Menschen ab 65 ohne Partner oder Partnerin. Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Hundehalter waren insgesamt weniger sozial isoliert.
  • Hundehalterinnen fühlten sich zudem weniger einsam als Frauen ohne Haustier.
  • Bei Männern zeigte sich kein Unterschied.
  • Katzenhalter unterschieden sich in keinem der untersuchten Punkte von Menschen ohne Tier.

Das heißt nicht, dass Katzen nicht trösten können. Die ruhige Gesellschaft einer Katze am Abend kann für einen Menschen sehr viel bedeuten, auch wenn sie sich in keiner Skala für soziale Isolation niederschlägt. Ein Hund aber zwingt zum Rausgehen – mehrmals am Tag, bei jedem Wetter. Wie viel Bewegung dabei tatsächlich zusammenkommt, lesen Sie in unserem Beitrag Gassi gehen hält fit: Bewegen sich Hundehalter wirklich mehr?

Wie bringen Haustiere Menschen zusammen?

Vor allem Hunde wirken wie ein Eisbrecher. In einer Befragung von 2.692 Erwachsenen in Australien und den USA lernten Tierhalter deutlich häufiger Menschen in ihrer Nachbarschaft kennen als Menschen ohne Tier.

Rund 40 Prozent der Tierhalter in dieser Studie (Wood und Kollegen, 2015) hatten von jemandem, den sie über ihr Tier kennengelernt hatten, schon einmal Unterstützung erhalten – etwa praktische Hilfe oder ein offenes Ohr. Hundehalter lagen dabei klar vorn. Das kennen viele aus dem eigenen Viertel: Man trifft auf der Hunderunde jeden Morgen dieselben Leute, grüßt sich, kommt ins Gespräch. Typische Anlässe sind:

  • das Wartezimmer in der Tierarztpraxis
  • die Hundewiese im Park oder die Hundeschule
  • Nachbarn, die im Urlaub die Katze füttern – und umgekehrt
  • ehrenamtliche Mithilfe im Tierheim, etwa als Gassigeherin oder Gassigeher

Gerade der letzte Punkt ist eine gute Möglichkeit für alle, die selbst kein Tier halten können oder wollen.

Haben Haustiere in der Corona-Zeit geholfen?

Vielen Haltern schon. In einer britischen Online-Befragung von 5.926 Erwachsenen während des ersten Lockdowns 2020 empfanden die meisten Tierhalter ihr Tier als große Stütze, und ihre Einsamkeit nahm weniger stark zu als bei Menschen ohne Tier.

Die Studie von Ratschen und Kollegen zeigte aber auch eine Kehrseite: Wer schon vor dem Lockdown psychisch angeschlagen war, berichtete von einer besonders engen Bindung an sein Tier. Eine sehr enge Bindung kann also auch ein Hinweis darauf sein, dass jemand verletzlich ist. Außerdem machten sich viele Halter praktische Sorgen um die Versorgung ihrer Tiere unter den Lockdown-Regeln.

Kann ein Haustier Menschen ersetzen?

Nein. Am meisten hilft ein Tier dann, wenn es das soziale Leben ergänzt: Es holt Sie aus dem Haus, liefert Gesprächsanlässe und gibt dem Tag einen Rhythmus.

Ein Tier gibt Ihnen das Gefühl, gebraucht zu werden, es sucht Ihre Nähe und bewertet Sie nicht. Das ist viel wert. Einsamkeit entsteht aber dort, wo menschliche Verbindung fehlt – und dafür ist ein Tier eher eine Brücke als ein Ersatz. Ähnlich differenziert ist übrigens die Studienlage zu körperlichen Effekten, etwa zur Frage, ob ein Hund den Blutdruck senkt.

Sollten Sie sich gegen Einsamkeit ein Tier anschaffen?

Nur, wenn Sie es auch auf Dauer gut versorgen können. Hund und Katze leben oft länger als zehn Jahre, brauchen täglich Zeit, kosten Geld und müssen regelmäßig zum Tierarzt.

Fragen Sie sich vorher ehrlich:

  1. Lassen meine Gesundheit, meine Wohnung und mein Budget ein Tier über viele Jahre zu?
  2. Wer kümmert sich, wenn ich krank oder verreist bin?
  3. Wäre ein kleinerer Schritt sinnvoll – etwa Gassigehen für das Tierheim oder eine Pflegestelle auf Zeit?

Ob eher ein Hund oder eine Katze zu Ihrem Alltag passt, klären wir in unserem Beitrag Hund oder Katze: Welches Haustier passt zu Ihnen?

Und wenn die Einsamkeit Sie stark belastet oder mit anhaltender Niedergeschlagenheit einhergeht, sprechen Sie bitte auch mit Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder einer psychotherapeutischen Fachperson. Ein Tier ist ein wunderbarer Begleiter, aber keine Behandlung.

Häufige Fragen

Helfen Katzen genauso gut gegen Einsamkeit wie Hunde?
In den meisten Studien zeigt sich beim Gefühl der Einsamkeit kein klarer Unterschied zwischen Hund und Katze. Beim Knüpfen neuer Kontakte haben Hunde aber oft die Nase vorn, weil sie täglich Gassi gehen müssen.
Ist ein Haustier für alleinlebende Senioren sinnvoll?
Das kann es sein – wenn die Person sich ein Tier wünscht und es versorgen kann oder verlässliche Hilfe hat. Klären Sie vorab gemeinsam, wer sich kümmert, falls sich die Gesundheit verschlechtert.
Kann ein Haustier Einsamkeit auch verstärken?
Ja, etwa wenn die Versorgung zur Belastung wird oder jemand wegen des Tieres kaum noch aus dem Haus kommt. In einer US-Studie mit Schülern stieg die Einsamkeit während der Pandemie bei Tierhaltern sogar stärker als bei Gleichaltrigen ohne Tier.
Wie kann ich ohne eigenes Tier von Tierkontakten profitieren?
Viele Tierheime suchen ehrenamtliche Gassigeher oder Menschen, die Katzen beschäftigen. Auch eine Pflegestelle oder Tiersitting in der Nachbarschaft sind Möglichkeiten mit weniger Verpflichtung.

Quellen

  1. Bundesministerium (BMBFSFJ): Erstes Einsamkeitsbarometer für Deutschland veröffentlicht (30.05.2024)
  2. Kretzler, König & Hajek (2022): Pet ownership, loneliness, and social isolation: a systematic review. Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology
  3. Hajek & König (2020): How do cat owners, dog owners and individuals without pets differ in terms of psychosocial outcomes among individuals in old age without a partner? Aging & Mental Health
  4. Wood et al. (2015): The pet factor – companion animals as a conduit for getting to know people, friendship formation and social support. PLOS ONE
  5. Ratschen et al. (2020): Human-animal relationships and interactions during the Covid-19 lockdown phase in the UK. PLOS ONE
  6. WHO: Social connection linked to improved health and reduced risk of early death (30 June 2025)