Senken Haustiere den Blutdruck? Was Studien zeigen
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche oder medizinische Beratung.
Ein Hund senkt den Blutdruck – zumindest kurzfristig, etwa beim Streicheln – und kann laut mehreren Studien die körperliche Stressreaktion abmildern. Ob Tierhalter auf Dauer einen niedrigeren Blutdruck haben, ist dagegen umstritten: Der Effekt ist, wenn überhaupt, klein und ersetzt keine Behandlung.
Sinkt der Blutdruck, wenn man einen Hund streichelt?
Ja, in mehreren Laborstudien sank er während des Streichelns messbar. Entscheidend scheint dabei vor allem die Berührung zu sein.
Schon 1988 maßen US-Psychologen bei 60 Studierenden Blutdruck und Puls, während diese Zeit mit einem Hund verbrachten. Am niedrigsten war der Blutdruck beim Streicheln des Hundes, etwas höher, wenn die Teilnehmenden mit dem Hund sprachen, und am höchsten im Gespräch mit der Versuchsleiterin oder dem Versuchsleiter. Die Forscher folgerten, dass der Hautkontakt den größten Anteil am sogenannten „Pet-Effekt“ hat.
Wer abends mit dem Hund auf dem Sofa sitzt und gleichmäßig über das Fell streicht, kennt dieses Gefühl der Beruhigung. Die Messwerte bestätigen es zumindest für den Moment.
Reagieren Hundehalter gelassener auf Stress?
Einige Studien sprechen dafür. Tierhalter zeigten unter Belastung kleinere Blutdruckspitzen und erholten sich schneller.
Besonders bekannt sind zwei Untersuchungen der US-Psychologin Karen Allen:
- 240 Ehepaare (2002): Die Hälfte der Paare hatte ein Haustier. Alle mussten Kopfrechenaufgaben lösen und eine Hand in Eiswasser halten – allein, mit dem Partner, mit dem eigenen Tier (Paare ohne Tier stattdessen mit einer befreundeten Person) oder mit Partner und Tier beziehungsweise befreundeter Person zugleich. Tierhalter hatten schon in Ruhe niedrigere Werte, reagierten schwächer auf beide Belastungen und erholten sich schneller. Am ruhigsten blieben sie, wenn ihr Tier im Raum war – ruhiger als mit dem eigenen Ehepartner.
- 48 Menschen mit Bluthochdruck (2001): Alle erhielten das Medikament Lisinopril, die Hälfte bekam per Zufall zusätzlich ein Haustier. Das Medikament senkte den Ruheblutdruck in beiden Gruppen um rund 35/20 mmHg. Unter psychischem Stress stieg der Blutdruck bei den Tierhaltern aber deutlich weniger an: systolisch im Mittel 131 statt 141 mmHg.
Diese Ergebnisse sind eindrucksvoll, stammen aber aus kleinen Studien und überwiegend aus einer einzigen Forschungsgruppe. Sie zeigen, dass ein Tier kurze Stressmomente abpuffern kann – nicht, dass es Bluthochdruck heilt.
Haben Tierhalter dauerhaft einen niedrigeren Blutdruck?
Möglicherweise geringfügig, aber die großen Bevölkerungsstudien widersprechen sich. Ein klarer Langzeiteffekt ist bisher nicht belegt.
- USA: Eine Auswertung der nationalen Gesundheitsstudie NHANES mit 10.905 befragten Erwachsenen ergab 2020, dass Tierhalter seltener an Bluthochdruck litten – auch nach Berücksichtigung von Alter, Rauchen, Einkommen und weiteren Faktoren.
- Metaanalyse: Eine Zusammenschau von 26 Studien aus demselben Jahr fand bei Tierhaltern einen im Schnitt um etwa 1,7 mmHg niedrigeren systolischen Wert. Beim diastolischen Wert und bei der Häufigkeit von Bluthochdruck gab es keinen Unterschied.
- Schweden: Ein nationales Register mit rund zwei Millionen Menschen zwischen 45 und 80 Jahren zeigte sogar das Gegenteil: Hundehalter begannen minimal häufiger mit einer blutdrucksenkenden Behandlung. Die Autoren halten es für möglich, dass nicht erfasste Einflüsse das Ergebnis verzerren.
Zur Einordnung: Ein bis zwei mmHg können für eine ganze Bevölkerung relevant sein. Für den Einzelnen ist das aber deutlich weniger, als Bewegung, weniger Salz oder Medikamente in der Regel bewirken.
Warum könnte ein Hund den Blutdruck beeinflussen?
Fachleute vermuten mehrere Gründe, die vermutlich zusammenwirken. Endgültig bewiesen ist keiner davon.
- Berührung: Das Streicheln war im Labor der stärkste kurzfristige Faktor.
- Hormone: In einer kleinen Studie aus Südafrika (2003) stiegen nach freundlichem Kontakt zwischen Mensch und Hund bei beiden Oxytocin, Beta-Endorphin und Dopamin an. Das Stresshormon Cortisol sank bei den Menschen.
- Zuwendung ohne Bewertung: Ein Tier beurteilt Sie nicht. Allen erklärte damit, warum ihre Versuchspersonen mit dem Tier entspannter waren als mit dem Partner. Wie viel diese Art von Gesellschaft bedeuten kann, beschreiben wir auch im Beitrag Hilft ein Haustier gegen Einsamkeit?
- Bewegung: Die US-Gesundheitsbehörde CDC weist darauf hin, dass regelmäßiges Spazierengehen oder Spielen mit Tieren Blutdruck, Cholesterin und Blutfette senken kann. Warum gerade das tägliche Gassigehen so oft untersucht wird, lesen Sie in Gassi gehen hält fit.
Was sagen Herzmediziner dazu?
Die American Heart Association kam 2013 nach Sichtung der Studienlage zu dem Schluss, dass Tierhaltung – insbesondere Hundehaltung – wahrscheinlich mit einem geringeren Herz-Kreislauf-Risiko verbunden ist. Auch die Stiftung Warentest berichtete damals darüber, mit dem Hinweis auf psychische Effekte und mehr Bewegung als mögliche Gründe.
Der Kardiologe Glenn Levine, der das Gremium leitete, betonte jedoch, dass die Studien keinen Beweis liefern. Es könne schlicht sein, dass gesündere Menschen eher Haustiere halten – und nicht die Tiere ihre Halter gesünder machen. Dieses Henne-Ei-Problem zieht sich durch fast alle Untersuchungen auf diesem Gebiet.
Sollte man sich wegen des Blutdrucks einen Hund anschaffen?
Nein, nicht als Therapie. Schon bei der Vorstellung der Stellungnahme hieß es, man solle sich ein Tier nicht allein zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos zulegen.
Wenn Ihr Blutdruck zu hoch ist, stehen bewährte Schritte an erster Stelle: regelmäßig messen, mit der Hausärztin oder dem Hausarzt sprechen, verordnete Medikamente einnehmen, sich bewegen, Salz und Alkohol reduzieren und nicht rauchen.
Ein Hund bedeutet Verantwortung für zehn Jahre oder mehr, mit Kosten, Zeitaufwand und Verpflichtungen. Der beste Grund für ein Tier ist der Wunsch nach seiner Gesellschaft und die Gewissheit, gut für es sorgen zu können. Die ruhigen Minuten beim Streicheln und die zusätzlichen Runden um den Block sind dann ein willkommener Bonus für Ihr Herz – auch wenn die Wissenschaft noch nicht genau sagen kann, wie groß er ist.
Häufige Fragen
- Wie schnell wirkt Streicheln auf den Blutdruck?
- In Laborstudien zeigt sich der Effekt schon während des Streichelns: Die Werte waren genau dann am niedrigsten. Es handelt sich um eine kurzfristige Beruhigung, nicht um eine dauerhafte Senkung.
- Senken auch Katzen den Blutdruck?
- Einige Studien schließen Katzenhalter ein; eine große US-Erhebung fand bei Hunde- wie Katzenhaltern seltener Bluthochdruck. Die meisten Untersuchungen konzentrieren sich aber auf Hunde, auch weil diese ihre Halter zum Spazierengehen bringen.
- Kann ich mit Hund auf Blutdrucktabletten verzichten?
- Nein. In der bekanntesten Studie nahmen auch die Tierhalter ihr Medikament weiter ein; das Tier milderte nur zusätzlich die Stressreaktion. Änderungen an der Behandlung gehören immer in ärztliche Hände.
- Empfehlen Kardiologen Haustiere fürs Herz?
- Nicht als Therapie. Die American Heart Association hält einen Zusammenhang mit geringerem Herz-Kreislauf-Risiko für wahrscheinlich, doch die meisten Studien sind Beobachtungsstudien und belegen keine Ursache.
Quellen
- Stiftung Warentest (2013): Herz und Kreislauf – Hund tut Blutdruck gut
- Levine et al. (2013): Pet ownership and cardiovascular risk. A scientific statement from the American Heart Association, Circulation
- ISHN (2013): Pets may help reduce your risk of heart disease (Zitate von Glenn Levine)
- Vormbrock & Grossberg (1988): Cardiovascular effects of human-pet dog interactions, Journal of Behavioral Medicine
- Allen, Blascovich & Mendes (2002): Cardiovascular reactivity and the presence of pets, friends, and spouses, Psychosomatic Medicine
- Allen, Shykoff & Izzo (2001): Pet ownership, but not ACE inhibitor therapy, blunts home blood pressure responses to mental stress, Hypertension
- Krittanawong et al. (2020): Pet ownership and cardiovascular health in the US general population, American Journal of Cardiology
- El-Qushayri et al. (2020): Association between pet ownership and cardiovascular risks and mortality: a systematic review and meta-analysis, Journal of Cardiovascular Medicine
- Mubanga et al. (2019): Dog ownership and cardiovascular risk factors, BMJ Open (schwedische Registerstudie)
- Odendaal & Meintjes (2003): Neurophysiological correlates of affiliative behaviour between humans and dogs, The Veterinary Journal
- CDC: About Healthy Pets, Healthy People