Gassi gehen hält fit: Bewegen sich Hundehalter mehr?

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Ein kleiner grau-brauner Hund an der Leine neben seinem Halter auf einem roten Wanderweg vor roten Felsen
Foto: Lovemedead · CC BY-SA 4.0 · Quelle

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche oder medizinische Beratung.

Ja, Hundehalter bewegen sich im Durchschnitt mehr als Menschen ohne Hund und erreichen deutlich häufiger die empfohlenen 150 Minuten Bewegung pro Woche. Der Effekt hängt allerdings an einer Bedingung: Man muss mit dem Hund auch tatsächlich Gassi gehen.

Wie viel Bewegung empfehlen Fachleute überhaupt?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät Erwachsenen zu mindestens 150 bis 300 Minuten moderater Ausdaueraktivität pro Woche. Zügiges Gehen zählt dazu, ein flotter Spaziergang mit dem Hund also auch.

In Deutschland erreichen viele Menschen diesen Wert nicht. Nach Daten des Robert Koch-Instituts aus der Befragung GEDA 2014/2015-EHIS gaben nur 42,6 Prozent der Frauen und 48,0 Prozent der Männer an, in ihrer Freizeit mindestens zweieinhalb Stunden pro Woche ausdauerorientiert aktiv zu sein. Gleichzeitig leben nach Angaben der Heimtierbranche (IVH und ZZF) rund 10,5 Millionen Hunde in etwa 21 Prozent der deutschen Haushalte. Das Potenzial ist also groß.

Was zeigen Studien zu Hund und Bewegung?

Die meisten Untersuchungen kommen zu einem ähnlichen Ergebnis: Hundehalter gehen mehr zu Fuß. Wie groß der Unterschied ist, schwankt je nach Studie.

  • Britische Haushaltsbefragung (2019): Forschende der Universität Liverpool befragten in West Cheshire 385 Haushalte mit 191 erwachsenen Hundehaltern, 455 Erwachsenen ohne Hund und 46 Kindern. Die Chance, die 150-Minuten-Empfehlung zu erfüllen, war bei Hundehaltern rund viermal so hoch. Andere Sportarten betrieben sie nicht weniger als Menschen ohne Hund, das Gassigehen kam also obendrauf. Kinder mit Hund gaben ebenfalls mehr Gehminuten an.
  • Ältere Menschen mit Bewegungssensor (2017): In einer britischen Studie trugen 43 Hundehalter ab 65 Jahren und 43 vergleichbare Personen ohne Hund über ein Jahr verteilt dreimal je eine Woche lang einen Aktivitätsmesser. Die Hundehalter gingen im Schnitt 22 Minuten pro Tag länger und machten rund 2.760 Schritte mehr, überwiegend in moderatem Tempo.
  • Übersichtsarbeit (2013): Eine Auswertung von 29 Studien aus den Jahren 1990 bis 2010 bestätigte, dass Hundehalter mehr gehen und körperlich aktiver sind. Die Effekte waren allerdings klein bis mittelgroß.

Macht der Hund aktiv – oder schaffen sich Aktive einen Hund an?

Vermutlich beides. Die meisten Studien sind Momentaufnahmen und können Ursache und Wirkung nicht sauber trennen.

Einen Hinweis liefert eine Studie aus Perth in Australien, die Menschen ohne Hund ein Jahr lang begleitete. Wer sich in dieser Zeit einen Hund zulegte, ging danach im Wohnviertel rund 48 Minuten pro Woche mehr spazieren. Bei denen, die ohne Hund blieben, waren es nur 12 Minuten. Rechneten die Forschenden heraus, wie fest die Teilnehmenden ohnehin vorhatten, mehr zu gehen, wurde der Unterschied deutlich kleiner. Die Absicht und der Hund, der den Spaziergang einfordert, wirken offenbar zusammen.

Gehen alle Hundehalter regelmäßig Gassi?

Nein. Ein Hund, der den Tag im Garten verbringt, bringt seinem Menschen keine zusätzliche Bewegung.

In einer Befragung von 5.902 Erwachsenen im US-Bundesstaat Michigan besaßen 41 Prozent einen Hund. Von ihnen gingen 61 Prozent mindestens zehn Minuten am Stück mit dem Tier spazieren, aber nur 27 Prozent kamen auf 150 Minuten pro Woche. Laut der genannten Übersichtsarbeit führen im Schnitt nur etwa 60 Prozent der Hundehalter ihren Hund überhaupt aus. Wer es aber tut, kommt laut der Michigan-Studie häufiger auf 150 Minuten Gehen pro Woche als Menschen ohne Hund.

Warum fällt Bewegung mit Hund leichter?

Weil der Spaziergang zur Pflicht gegenüber einem geliebten Tier wird – und weil er sich nicht wie Sport anfühlt. Fachleute nennen vor allem Motivation, feste Gewohnheiten und soziale Kontakte.

  • Der Hund erinnert Sie. Spätestens wenn er zur gewohnten Zeit an der Tür wartet, ist die Ausrede schwer.
  • Das Wetter zählt nicht. Auch bei Nieselregen im November muss der Hund raus.
  • Gassi ist kein Training. Viele Menschen, die nie ins Fitnessstudio gehen würden, laufen für ihren Hund gern eine halbe Stunde.
  • Man kommt ins Gespräch. Auf der Hunderunde lernt man Nachbarn kennen. Das ist ein Grund, warum Hunde auch in der Forschung zu Haustieren und Einsamkeit eine Rolle spielen.

Regelmäßige Bewegung ist zudem einer der Gründe, warum Fachleute einen Zusammenhang zwischen Hunden und Herzgesundheit vermuten. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur Frage, ob Haustiere den Blutdruck senken.

Ist Gassigehen auch riskant?

Ein gewisses Sturzrisiko gibt es, vor allem für ältere Menschen und bei Hunden, die stark an der Leine ziehen. Eine US-Auswertung von Notaufnahmedaten schätzte, dass Knochenbrüche bei über 65-Jährigen im Zusammenhang mit dem Ausführen angeleinter Hunde von etwa 1.700 im Jahr 2004 auf fast 4.400 im Jahr 2017 zunahmen.

Rund 79 Prozent der Betroffenen waren Frauen, die Hüfte war die häufigste einzelne Bruchstelle. Die Autoren raten nicht vom Hund ab, sondern dazu, das Sturzrisiko mitzudenken. Leinenführigkeit, ein gut sitzendes Geschirr und ein Hund, dessen Größe und Temperament zu Ihnen passen, helfen. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Tierarztpraxis oder einer Hundeschule beraten.

Sollte man sich für mehr Bewegung einen Hund anschaffen?

Nur, wenn Sie ohnehin einen Hund möchten. Ein Hund bindet Sie für viele Jahre, und der Fitnesseffekt entsteht nur, wenn Sie ihn täglich ausführen.

Wenn Sie noch überlegen, welches Tier zu Ihrem Alltag passt, hilft unser Vergleich Hund oder Katze. Und wenn bereits ein Hund bei Ihnen lebt, ist die einfachste Empfehlung aus der Forschung zugleich die wirksamste: Machen Sie die Hunderunde zu einem festen Teil Ihres Tages.

Häufige Fragen

Wie lange sollte man täglich mit dem Hund spazieren gehen?
Das hängt von Rasse, Alter und Gesundheit des Hundes ab – fragen Sie am besten Ihre Tierarztpraxis. Für Ihre eigene Gesundheit empfiehlt die WHO mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, also gut 20 Minuten zügiges Gehen am Tag.
Zählt Gassigehen als Sport?
Ja, wenn das Tempo zügig genug ist, dass Sie etwas schneller atmen. Gemächliches Schnüffeln am Wegesrand bringt dagegen weniger.
Profitieren auch Seniorinnen und Senioren vom Hund?
In einer britischen Studie gingen Hundehalter ab 65 Jahren täglich rund 22 Minuten länger als vergleichbare Menschen ohne Hund. Bei kräftig ziehenden Hunden sollten ältere Menschen aber auf Sturzgefahr achten.
Kann man auch ohne eigenen Hund profitieren?
Ja, etwa als Gassigeherin oder Gassigeher im örtlichen Tierheim oder mit dem Hund der Nachbarn. Entscheidend ist der regelmäßige Spaziergang, nicht der Besitz.

Quellen

  1. Robert Koch-Institut (2017): Gesundheitsfördernde körperliche Aktivität in der Freizeit bei Erwachsenen in Deutschland, Journal of Health Monitoring
  2. Lebensmittel Praxis: Marktentwicklung 2024 – Heimtierbranche hält ihr hohes Umsatzniveau (IVH/ZZF-Daten)
  3. WHO Europe fact sheet: Physical activity
  4. Westgarth et al. (2019): Dog owners are more likely to meet physical activity guidelines than people without a dog, Scientific Reports
  5. Dall et al. (2017): The influence of dog ownership on objective measures of free-living physical activity, BMC Public Health
  6. Christian et al. (2013): Dog ownership and physical activity: a review of the evidence, Journal of Physical Activity and Health
  7. Reeves et al. (2011): The impact of dog walking on leisure-time physical activity, Journal of Physical Activity and Health
  8. Cutt et al. (2008): Does getting a dog increase recreational walking? International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity
  9. Pirruccio, Yoon, Ahn (2019): Fractures in Elderly Americans Associated With Walking Leashed Dogs, JAMA Surgery