Die Regenbogenbrücke: Bedeutung und Herkunft des Gedichts

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Ein blasser Regenbogen über weiten grünen Wiesen unter grauem Himmel, eingerahmt von kahlen Winterzweigen
Foto: ruth e · CC BY-SA 2.0 · Quelle

Die Regenbogenbrücke ist ein kurzer Prosatext über eine grüne Wiese „diesseits des Himmels“, auf der verstorbene Tiere gesund und munter auf ihren Menschen warten, bis sie gemeinsam über eine Brücke in den Himmel gehen. Nach jahrzehntelanger anonymer Verbreitung und mehreren konkurrierenden Ansprüchen gilt heute die Schottin Edna Clyne als Autorin: Sie schrieb ihn 1959 mit 19 Jahren nach dem Tod ihres Hundes – öffentlich bekannt wurde das allerdings erst 2023.

Was bedeutet „über die Regenbogenbrücke gehen“?

Die Redewendung bedeutet schlicht, dass ein Haustier gestorben ist. Sie stammt aus dem Text über die Regenbogenbrücke und ist für viele Tierhalter eine sanftere Art, über den Tod ihres Tieres zu sprechen.

Man liest sie in Abschiedsposts in sozialen Netzwerken, in Beileidskarten und auf Gedenkseiten. Für manche Menschen ist der Satz einfach eine liebevolle Umschreibung. Für andere steckt mehr dahinter: die Hoffnung, das Tier eines Tages wiederzusehen.

Was steht im Gedicht von der Regenbogenbrücke?

Der Text beschreibt eine Wiese kurz vor dem Himmel, auf die Tiere nach ihrem Tod gelangen. Dort sind sie wieder gesund, frei von Verletzungen und zufrieden – nur einen Menschen vermissen sie.

Die Tiere spielen miteinander, haben alles, was sie brauchen, und die Sonne scheint. Wenn ihr Mensch schließlich selbst stirbt, begrüßt ihn sein Tier auf dieser Wiese. Gemeinsam überqueren beide die Regenbogenbrücke in den Himmel und werden nie wieder getrennt. Diese Vorstellung vom Wiedersehen hat den Text weltweit bekannt gemacht.

Wer hat die Regenbogenbrücke geschrieben?

Nach heutigem Kenntnisstand die schottische Künstlerin Edna Clyne-Rekhy. Sie schrieb den Text 1959, einen Tag nach dem Tod ihres Labradors Major, im Wohnzimmer ihres Elternhauses in der Nähe von Inverness.

Ihre Mutter hatte ihr geraten, die Trauer aufzuschreiben. Veröffentlichen wollte Edna Clyne den Text nie. Sie fertigte nur ein paar Abschriften für Freunde an – und von dort aus verbreitete er sich, ohne dass ihr Name dabeistand. Im Februar 2023 berichtete das Magazin National Geographic, dass der Kunsthistoriker Paul Koudounaris den Text zu ihr zurückverfolgt hatte. Edna Clyne-Rekhy war da 82 Jahre alt und besaß noch immer die handschriftliche Fassung.

Warum blieb die Autorin so lange unbekannt?

Weil der Text jahrzehntelang anonym weitergegeben wurde und viele Menschen ihn für sich beanspruchten. Erst die Recherche eines Kunsthistorikers führte zu ihr.

Die wichtigsten Stationen:

  • 7. Januar 1993: Die erste bekannte Erwähnung im Internet, ein Beitrag in der Newsgroup rec.pets.dogs, zitiert den Text aus einem Rundbrief.
  • Februar 1994: Die US-Ratgeberkolumne Dear Abby druckt den Text ohne Autorennamen ab und bittet die Leserschaft um Hinweise auf den Urheber.
  • Ab 1995: Laut National Geographic werden unter dem Titel 15 Urheberrechtsansprüche angemeldet.
  • Widersprüchliche Versionen: Ein Mann gab an, ein indigener Schamane habe ihm die Geschichte erzählt. Der Leiter eines Verbands für Trauer um Haustiere hielt den Text für eine Abwandlung seines eigenen Gedichts.
  • Weitere Fassungen: Spätere Texte zum selben Motiv, darunter ein gereimtes Gedicht anderer Verfasser, kursieren ebenfalls als „Regenbogenbrücke“. Hier geht es um den ursprünglichen Prosatext.
  • 2023: Der Kunsthistoriker und Autor Paul Koudounaris, der bei Recherchen für ein Buch über Tierfriedhöfe immer wieder auf den Text gestoßen war, veröffentlicht das Ergebnis seiner Suche. Er hatte rund 25 mögliche Urheber geprüft; ein Hinweis auf eine „Edna Clyde“ aus Schottland führte ihn schließlich zu Edna Clyne-Rekhy und ihrem Manuskript.

Hat die Regenbogenbrücke etwas mit der nordischen Mythologie zu tun?

Nur durch die Ähnlichkeit. In der nordischen Mythologie verbindet Bifröst, eine Regenbogenbrücke, die Welt der Menschen (Midgard) mit Asgard, der Welt der Götter – einen Beleg, dass der Tiertext davon inspiriert wurde, gibt es aber nicht.

Nach der Lieder-Edda wird Bifröst vom Gott Heimdall bewacht. Auch die Vorstellung von einem Paradies für Tiere ist älter als 1959: Die Autorin Margaret Marshall Saunders beschrieb schon 1902 in Beautiful Joe's Paradise ein Jenseits für Tiere – dort reisen sie allerdings per Ballon dorthin. Edna Clyne-Rekhy selbst erzählte, die Worte seien ihr einfach so gekommen, als spräche sie mit Major.

Warum tröstet die Regenbogenbrücke so viele Menschen?

Weil sie der Trauer ein Bild gibt: ein Tier, das nicht mehr leidet, und die Aussicht, dass die Verbindung nicht endet. Die Trauerforschung zeigt, dass ein solches Gefühl fortbestehender Verbundenheit vielen Menschen helfen kann – wenn auch nicht allen.

Fachleute sprechen von „fortgesetzten Bindungen“ (englisch continuing bonds). Eine systematische Übersichtsarbeit von Hughes und Lewis Harkin in der Fachzeitschrift OMEGA kam zu dem Ergebnis, dass solche Bindungen an ein verstorbenes Tier die Trauer manchmal verstärken können, vor allem dann, wenn das Umfeld sie nicht ernst nimmt. Passende Formen der Verbundenheit können die Trauer aber auch abmildern und Halt geben. Andrew Dean von der University of Sunderland beschrieb 2022 in einer ethnografischen Studie drei Funktionen der Regenbogenbrücke: Sie ist ein vorläufiges Paradies für die Tiere, eine Vorbereitung auf den Himmel und ein Trost für die Menschen.

Hinzu kommt: Viele Religionen sagen wenig darüber, was mit Tieren nach dem Tod geschieht, und viele Tierhalter sind gar nicht religiös. Die Regenbogenbrücke setzt keinen bestimmten Glauben voraus. Sie sagt nur: Es geht ihm gut, und es wartet. Geschichten von Tieren, die treu auf ihre Menschen warten, berühren uns ähnlich – etwa die von Hachikō, dem Akita, der am Tokioter Bahnhof Shibuya auf sein Herrchen wartete.

Was, wenn Ihnen das Bild der Regenbogenbrücke nicht entspricht?

Das ist völlig in Ordnung. Manche Menschen empfinden den Text als zu kitschig oder zu religiös, und es gibt keine richtige oder falsche Vorstellung davon, wo ein Tier nach seinem Tod ist.

Andere Formen des Abschieds können sein:

  • einen Brief an das Tier schreiben oder seine Lebensgeschichte aufschreiben
  • Halsband, Pfotenabdruck oder ein Lieblingsfoto an einen besonderen Platz stellen
  • einen Baum oder Blumen an einem Ort pflanzen, den das Tier mochte
  • eine Gedenkseite anlegen, auf der Familie und Freunde Erinnerungen teilen (so funktioniert eine Gedenkseite)

Wenn der Verlust noch frisch ist, finden Sie in unserem Beitrag Den Tod des Haustiers verarbeiten Anregungen, was in der Trauer helfen kann. Ob Sie an eine Wiese hinter dem Regenbogen glauben oder nicht: Die Liebe, von der der Text erzählt, ist echt – und die Trauer, die ihr folgt, auch.

Häufige Fragen

Darf ich den Text der Regenbogenbrücke für eine Traueranzeige oder Karte verwenden?
Viele Menschen tun das im privaten Rahmen. Da die Autorin inzwischen bekannt ist, ist es eine schöne Geste, Edna Clyne-Rekhy zu nennen; für Veröffentlichungen oder Verkäufe sollten Sie die Rechte vorher klären.
Ist die Regenbogenbrücke ein religiöser Gedanke?
Nicht im Sinne einer bestimmten Religion. Gerade deshalb spricht das Bild Menschen mit ganz unterschiedlichen Überzeugungen an – auch solche, die nicht gläubig sind.
Was kann ich jemandem sagen, dessen Tier über die Regenbogenbrücke gegangen ist?
Bleiben Sie schlicht und ehrlich: Nennen Sie das Tier beim Namen, sagen Sie, dass es Ihnen leidtut, und teilen Sie eine Erinnerung, wenn Sie eine haben. Dass Sie den Verlust ernst nehmen, zählt mehr als perfekte Worte.
Wurde die Regenbogenbrücke für einen Hund oder eine Katze geschrieben?
Anlass war der Tod eines Hundes, des Labradors Major. Der Text selbst spricht aber allgemein von Tieren, deshalb nutzen ihn Halter aller Haustiere.

Quellen

  1. National Geographic: The ‘Rainbow Bridge’ poem has comforted millions of grieving pet owners. Now its author has been revealed (Rachel Nuwer, 22 February 2023)
  2. Mental Floss: The Story Behind the ‘Rainbow Bridge’ Poem
  3. Wikipedia: Rainbow Bridge (pets)
  4. Hughes & Lewis Harkin: The Impact of Continuing Bonds Between Pet Owners and Their Pets Following the Death of Their Pet: A Systematic Narrative Synthesis. OMEGA
  5. Dean (2022): The Rainbow Bridge: Imagining ‘Animal Heaven’. Journal for the Study of Religious Experience
  6. Wikipedia: Bifröst (Mythologie)
  7. The Online Books Page: Marshall Saunders, Beautiful Joe's Paradise (1902)