Warum schnurren Katzen – und wie machen sie das?
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Katzen schnurren, um sich mitzuteilen und sich selbst zu beruhigen – meist aus Wohlbehagen, aber auch, wenn sie etwas wollen, ihre Jungen säugen oder unter Stress und Schmerzen stehen. Der Ton entsteht im Kehlkopf als tiefe Vibration von etwa 25 bis 150 Hertz, die beim Ein- und Ausatmen weiterläuft.
Wie entsteht das Schnurren?
Das Schnurren entsteht im Kehlkopf der Katze. Lange galt es als ausgemacht, dass dafür ein ständiger Strom von Nervenimpulsen die Kehlkopfmuskeln rhythmisch zucken lässt – eine Studie aus Wien hat dieses Bild 2023 ins Wanken gebracht.
Die klassische Erklärung, wie sie etwa Leslie Lyons, damals Forscherin an der tiermedizinischen Fakultät der University of California in Davis, zusammenfasste, lautet so: Gehirn und Nerven senden in kurzen Abständen Signale an die Muskeln von Kehlkopf und Zwerchfell. Anders als beim Miauen läuft das Schnurren beim Einatmen wie beim Ausatmen weiter, und zwar mit einer recht gleichmäßigen Frequenz zwischen 25 und 150 Hertz. Deshalb klingt es wie ein ununterbrochenes Brummen.
Ein Team um den Stimmforscher Christian Herbst von der Universität Wien, gemeinsam mit Kollegen vom Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und der Palacký-Universität in Olmütz, überprüfte diese Annahme im Labor. Die Forschenden untersuchten die Kehlköpfe von acht Hauskatzen, die an unheilbaren Krankheiten gestorben waren. Das überraschende Ergebnis: Alle acht Kehlköpfe erzeugten ohne jeden Nervenimpuls und ohne Muskelarbeit selbstständig Schwingungen im typischen Schnurrbereich von etwa 25 bis 30 Hertz.
Die Erklärung fand sich im Gewebe. In den Stimmlippen der Katzen sitzen Polster aus Bindegewebe mit bis zu vier Millimetern Durchmesser. Diese Besonderheit erlaubt dem kleinen Kehlkopf offenbar die ungewöhnlich tiefen Töne. Laut Universität Wien ähnelt dieser Mechanismus verblüffend der menschlichen Schnarrstimme, mit der Sängerinnen und Sänger tiefe, knarrende Töne erzeugen. Ganz ausgeschlossen ist die Beteiligung der Muskeln damit nicht – das Verständnis des Schnurrens sei unvollständig, so die Forschenden.
Schnurrt eine Katze nur, wenn sie glücklich ist?
Nein. Schnurren ist oft ein Zeichen von Zufriedenheit, kommt aber auch in Situationen vor, die alles andere als entspannt sind.
Am häufigsten hören Sie es, wenn Ihre Katze gestreichelt oder gefüttert wird, auf dem Schoß liegt oder wenn eine Mutterkatze ihre Jungen säugt. Katzen schnurren aber auch beim Tierarzt, bei Verletzungen oder während sie sich von einer Krankheit erholen. Viele Fachleute verstehen das Schnurren deshalb eher als Form der Kommunikation denn als reinen „Glückslaut“ – was es bedeutet, hängt von der Situation ab.
Diese Hinweise helfen beim Deuten:
- Entspanntes Schnurren: lockerer Körper, halb geschlossene Augen, langsames Blinzeln, Treteln
- Forderndes Schnurren: Die Katze folgt Ihnen, schaut Sie an oder sitzt neben dem Napf.
- Schnurren bei Stress oder Schmerz: Verstecken, gekrümmte Haltung, angelegte Ohren, keine Fresslust
Was ist das „Bettel-Schnurren“?
Manche Katzen haben ein besonderes Schnurren, mit dem sie ihre Menschen um Futter bitten – mit einem versteckten, schreiähnlichen Ton darin. Beschrieben hat es 2009 ein Team der britischen University of Sussex.
Die Verhaltensforscherin Karen McComb ließ Katzenhalter ihre Tiere zu Hause aufnehmen, einmal beim Betteln um Futter und einmal in entspannten Momenten. 50 Versuchspersonen hörten sich die Aufnahmen von zehn Katzen an. Selbst Menschen, die nie eine Katze besessen hatten, empfanden das Bettel-Schnurren als dringlicher und unangenehmer. Entscheidend war ein hoher Anteil, der an ein Miauen oder Weinen erinnert und im tiefen Schnurren eingebettet ist. Entfernten die Forschenden diesen Anteil aus den Aufnahmen, wirkte das Schnurren deutlich weniger dringlich.
McComb vermutet, dass Katzen damit dieselbe Empfindlichkeit ansprechen, die Menschen auf das Weinen eines Säuglings reagieren lässt. Besonders häufig zeigte sich das Verhalten bei Katzen, die mit nur einem Menschen zusammenleben; in größeren Haushalten miauten Katzen eher. Nach McCombs Einschätzung wird ein schnurrender Bittsteller zudem seltener weggeschickt als ein lautstark miauender.
Kann Schnurren heilen?
Vielleicht – bewiesen ist es aber nicht. Einige Forschende haben darauf hingewiesen, dass Schwingungen im Frequenzbereich des Schnurrens in anderen Zusammenhängen mit Knochendichte und Heilung in Verbindung gebracht wurden. Das könnte erklären, warum verletzte Katzen schnurren.
Im Internet wird diese Idee oft als Tatsache dargestellt. Tatsächlich hat bisher niemand gezeigt, dass Schnurren die Heilung bei Katzen beschleunigt. Ebenso gut kann das Schnurren kranker Tiere vor allem der Selbstberuhigung dienen. Wenn Ihre Katze schnurrt, sich aber ungewöhnlich verhält, ist das Schnurren also kein Beweis dafür, dass alles in Ordnung ist. Lassen Sie sie im Zweifel tierärztlich untersuchen.
Tut das Schnurren auch Menschen gut?
Viele Katzenhalter empfinden es als wohltuend, und es gibt Hinweise, dass das Leben mit einer Katze dem Herzen guttun könnte. Die Belege sind aber begrenzt.
Eine US-Studie auf Grundlage der nationalen Gesundheitserhebung NHANES II fand, dass Menschen, die früher eine Katze gehalten hatten, seltener an einem Herzinfarkt starben – das relative Risiko lag bei 0,63 im Vergleich zu Menschen ohne Katze. Wie die meisten Studien auf diesem Gebiet zeigt sie einen Zusammenhang, keinen Beweis dafür, dass Katzen oder ihr Schnurren das Herz schützen. Was Tiere nachweislich für das Herz-Kreislauf-System tun können, beleuchten wir im Beitrag Senken Haustiere den Blutdruck?
Schnurren auch Löwen und Tiger?
Im Allgemeinen nicht so anhaltend wie eine Hauskatze. Geparden, Pumas, Luchse und die meisten kleineren Wildkatzen schnurren, während die großen Brüller – Löwe, Tiger, Leopard und Jaguar – nicht für echtes Schnurren bekannt sind.
Der Smithsonian-Zoo in Washington weist darauf hin, dass Geparden nicht brüllen können, aber schnurren, zwitschern, fauchen und knurren. Die gängige Erklärung liegt im Kehlkopfbereich: Bei den vier Brüllern ist ein kleiner Knochen des Zungenbeinapparats durch ein dehnbares Band ersetzt, und ihre Stimmlippen sind groß und fleischig. Bei den übrigen Katzen ist diese Struktur starrer, was zum Schnurren passt. Die Wiener Ergebnisse zeigen allerdings, wie viel es über Katzenstimmen noch zu lernen gibt.
Was bedeutet das für Sie und Ihre Katze?
Hören Sie auf das Schnurren, aber achten Sie auf die ganze Katze. Schnurren auf dem Schoß mit langsamem Blinzeln ist fast immer ein gutes Zeichen. Schnurren bei einer Katze, die sich versteckt oder nicht mehr frisst, ist ein Grund, die Tierarztpraxis anzurufen.
Das Schnurren gehört zu den kleinen Alltagsritualen, die das Leben mit einer Katze so besonders machen. Wenn Sie noch überlegen, ob ein schnurrender oder ein schwanzwedelnder Mitbewohner besser zu Ihnen passt, hilft Ihnen unser Ratgeber Hund oder Katze: Welches Haustier passt zu Ihnen? weiter.
Häufige Fragen
- Können Katzen gleichzeitig schnurren und miauen?
- Gewissermaßen ja. Beim „Bettel-Schnurren“, mit dem manche Katzen um Futter bitten, liegt über dem tiefen Brummen ein hoher, weinerlicher Ton.
- Schnurren alle Katzen?
- Hauskatzen schnurren, ebenso die meisten anderen Katzenarten. Unter den Wildkatzen schnurren Geparden und die meisten kleinen Arten, während Löwen, Tiger, Leoparden und Jaguare brüllen.
- Warum schnurrt meine Katze, wenn ich sie streichle?
- Streicheln gehört zu den häufigsten Auslösern; bei einer entspannten Katze steht das Schnurren dann meist für Wohlbehagen. Achten Sie zusätzlich auf lockere Muskeln und langsames Blinzeln.
- Muss ich mir Sorgen machen, wenn meine kranke Katze viel schnurrt?
- Schnurren schließt eine Erkrankung nicht aus, denn Katzen schnurren auch bei Schmerzen oder Stress. Wenn Ihre Katze schnurrt, sich aber versteckt, nicht frisst oder ungewöhnlich verhält, wenden Sie sich an Ihre Tierarztpraxis.
Quellen
- Blick (2023): Neue Studie zeigt – Katzen schnurren anders als bisher vermutet (Mitteilung der Universität Wien)
- Herbst et al. (2023): Domestic cat larynges can produce purring frequencies without neural input, Current Biology
- Scientific American: Why do cats purr? (Antwort von Leslie A. Lyons, UC Davis)
- McComb et al. (2009): The cry embedded within the purr, Current Biology
- University of Sussex (2009): Pressemitteilung zum Bettel-Schnurren
- National Geographic (2009): Cats use "irresistible" purr-whine to get their way
- Qureshi et al. (2009): Cat ownership and the risk of fatal cardiovascular diseases, Journal of Vascular and Interventional Neurology
- Smithsonian's National Zoo: Why do cheetahs have spots? And other cheetah facts
- BBC Wildlife (Discover Wildlife): Why can only big cats roar and not purr?