Leben Hundehalter länger? Was Studien zeigen
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche oder medizinische Beratung.
Große Studien deuten darauf hin, dass Hundehalter länger leben: Eine Metaanalyse von 2019 mit fast 3,8 Millionen Menschen fand bei ihnen ein um 24 Prozent geringeres Sterberisiko. Ob der Hund wirklich die Ursache ist, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten – und nicht jede Studie kommt zu diesem Ergebnis.
Was zeigt die größte Auswertung?
Hundehalter starben im Beobachtungszeitraum seltener als Menschen ohne Hund, besonders deutlich nach einem Herzinfarkt. Das ist das Ergebnis einer Metaanalyse, die 2019 in der Fachzeitschrift Circulation: Cardiovascular Quality and Outcomes der American Heart Association erschien.
Die Forschenden fassten zehn Studien mit 3.837.005 Teilnehmenden zusammen, die im Schnitt 10,1 Jahre lang begleitet wurden. Im Vergleich zu Menschen ohne Hund hatten Hundehalter:
- ein um 24 Prozent geringeres Risiko, aus irgendeinem Grund zu sterben
- ein um 31 Prozent geringeres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben
- nach einem Herzinfarkt oder einem anderen koronaren Ereignis sogar ein um 65 Prozent geringeres Sterberisiko
Die Autoren wiesen selbst auf eine wichtige Schwäche hin: Die zusammengefassten Daten waren nicht um andere Einflüsse wie Alter, Gesundheitszustand oder Einkommen bereinigt.
Warum stammen so viele Daten aus Schweden?
Weil Hunde in Schweden seit 2001 registriert werden müssen. Forschende der Universität Uppsala konnten diese Daten deshalb mit dem Sterberegister und dem nationalen Patientenregister verknüpfen – eine weltweit seltene Datengrundlage.
Ihre Studie von 2017 umfasste mehr als 3,4 Millionen Erwachsene, die bis zu zwölf Jahre lang beobachtet wurden. Das Deutsche Ärzteblatt fasste die Ergebnisse unter dem Titel „Hundebesitzer leben länger“ zusammen:
- Alleinlebende mit Hund hatten ein um 33 Prozent geringeres Sterberisiko und ein um 36 Prozent geringeres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben.
- In Mehrpersonenhaushalten fiel der Unterschied kleiner aus: 11 Prozent beim Sterberisiko insgesamt, 15 Prozent bei Herz-Kreislauf-Todesfällen.
- Halter von Jagdhunderassen wie Terriern oder Retrievern hatten das geringste Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Hilft ein Hund auch nach Herzinfarkt oder Schlaganfall?
Die Daten sprechen dafür, vor allem bei Alleinlebenden. Eine zweite Uppsala-Studie von 2019 untersuchte rund 336.000 Menschen, die zwischen 2001 und 2012 einen Herzinfarkt oder ischämischen Schlaganfall erlitten hatten.
Alleinlebende Hundehalter hatten nach einem Herzinfarkt ein um 33 Prozent und nach einem Schlaganfall ein um 27 Prozent geringeres Sterberisiko als Alleinlebende ohne Hund. Wer mit Partner oder Kind zusammenlebte, profitierte weniger: um 15 beziehungsweise 12 Prozent. Die Stiftung Warentest griff die Studie damals unter der Überschrift „Bessere Überlebenschancen mit Hund“ auf. Die Forschenden selbst betonten, dass nicht erfasste Faktoren wie das Rauchen einen ursächlichen Schluss verhindern.
Wie könnte ein Hund das Leben verlängern?
Am plausibelsten sind mehr Bewegung, weniger Einsamkeit und ein Puffer gegen Stress. Die American Heart Association hielt in ihrer Stellungnahme von 2013 die zusätzliche Bewegung für den wahrscheinlich wichtigsten Faktor.
- Bewegung: Hundehalter erreichen deutlich häufiger die empfohlenen 150 Minuten Aktivität pro Woche – vor allem durchs Gassigehen. Mehr dazu in unserem Beitrag Gassi gehen hält fit.
- Gesellschaft: Dass der Effekt bei Alleinlebenden am größten ist, spricht für die Rolle der Gesellschaft. Lesen Sie dazu auch Hilft ein Haustier gegen Einsamkeit?
- Herz und Kreislauf: Manche Studien verbinden Tierhaltung mit niedrigerem Blutdruck, wenngleich die Befunde auch hier nicht einheitlich sind. Siehe Senken Haustiere den Blutdruck?
Schaffen sich vielleicht einfach gesündere Menschen einen Hund an?
Gut möglich – und genau deshalb bleiben Fachleute vorsichtig. Wer fit, gut situiert und sozial eingebunden ist, holt sich eher einen Hund, wer schwer krank ist, eher nicht.
Die schwedischen Forschenden haben deshalb Alter, Einkommen, Familienstand, Kinder im Haushalt und Vorerkrankungen herausgerechnet. Alles lässt sich aber nicht erfassen. Das Ärzteblatt formulierte es so: „Wie immer in epidemiologischen Studien lässt sich eine Kausalität nicht beweisen.“
Eine weitere Auswertung der schwedischen Daten ergab sogar, dass Hundehalter minimal häufiger mit Blutdruck- oder Cholesterinsenkern begannen. Das geringere Sterberisiko lässt sich also nicht einfach mit besseren Blutdruck- und Blutfettwerten erklären.
Finden alle Studien diesen Zusammenhang?
Nein. Eine große norwegische Studie im Rahmen der HUNT-Gesundheitserhebung begleitete rund 25.000 Hundehalter im Median 18,5 Jahre lang und fand kein geringeres Sterberisiko als bei Menschen ohne Hund.
Bemerkenswert: Die Hundehalter dort bewegten sich auch nicht mehr als die übrigen Teilnehmenden. Die Autoren vermuteten, dass die untersuchte Bevölkerung ohnehin sehr aktiv war, und forderten weitere Forschung.
In einer japanischen Studie mit 11.233 Menschen ab 65 Jahren war das Risiko, innerhalb von rund dreieinhalb Jahren pflegebedürftig zu werden, bei Hundehaltern nur etwa halb so hoch. Beim Sterberisiko zeigte sich in diesem Zeitraum jedoch kein statistisch gesicherter Unterschied.
Sollte man sich für ein längeres Leben einen Hund anschaffen?
Nicht aus diesem Grund allein. Auch die Fachleute der American Heart Association betonten, dass man ein Tier aufnehmen sollte, um ihm ein gutes Zuhause zu geben – nicht, um das eigene Herzrisiko zu senken.
Die Forschung weist in eine hoffnungsvolle Richtung, besonders für Alleinlebende. Der Hund scheint aber vor allem dann zu helfen, wenn er den Alltag verändert: mehr Spaziergänge, mehr Begegnungen, mehr Gründe, vor die Tür zu gehen.
Und wenn Sie vor Kurzem einen Hund verloren haben, dürfen Sie sich daran erinnern: Die gemeinsamen Jahre haben vermutlich nicht nur Ihrem Hund gutgetan, sondern auch Ihnen.
Häufige Fragen
- Wie viele Jahre länger leben Hundehalter?
- Eine konkrete Zahl an Lebensjahren nennen die Studien nicht. Sie messen ein geringeres Sterberisiko über einen Zeitraum – in der bekanntesten Metaanalyse 24 Prozent über rund zehn Jahre.
- Leben auch Katzenhalter länger?
- Für Katzen ist die Datenlage deutlich dünner, die großen Sterblichkeitsstudien drehen sich meist um Hunde. In einer japanischen Studie von 2023 mit Älteren hatten Hundehalter ein geringeres Risiko für eine Demenz mit Pflegebedarf, Katzenhalter dagegen nicht.
- Profitieren Alleinlebende besonders?
- Ja, in den schwedischen Registerstudien war der Zusammenhang bei Alleinlebenden am stärksten. Fachleute vermuten, dass der Hund hier besonders viel Gesellschaft und Struktur in den Alltag bringt.
- Spielt die Hunderasse eine Rolle?
- In der großen schwedischen Studie hatten Halter von Jagdhunderassen das geringste Herz-Kreislauf-Risiko. Das könnte aber eher an aktiveren Haltern liegen als an der Rasse selbst.
Quellen
- Deutsches Ärzteblatt (2017): Hundebesitzer leben länger
- Stiftung Warentest (2019): Herz-Kreislauf-Krankheiten – Bessere Überlebenschancen mit Hund
- Kramer, Mehmood, Suen (2019): Dog Ownership and Survival: A Systematic Review and Meta-Analysis, Circulation: Cardiovascular Quality and Outcomes
- Mubanga et al. (2017): Dog ownership and the risk of cardiovascular disease and death – a nationwide cohort study, Scientific Reports
- Mubanga et al. (2019): Dog Ownership and Survival After a Major Cardiovascular Event, Circulation: Cardiovascular Quality and Outcomes
- Mubanga et al. (2019): Dog ownership and cardiovascular risk factors, BMJ Open
- Torske et al. (2017): Dog ownership and all-cause mortality in a population cohort in Norway: The HUNT study, PLOS ONE
- Taniguchi et al. (2022): Evidence that dog ownership protects against the onset of disability in an older community-dwelling Japanese population, PLOS ONE
- Psychology Today (Coren, 2013): The American Heart Association Says Dogs Are Good for You
- Taniguchi et al. (2023): Protective effects of dog ownership against the onset of disabling dementia in older community-dwelling Japanese, Preventive Medicine Reports